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Die Fotografie der Alltäglichkeit

Nature morte

Die Alltäglichkeit: Laut Duden die „Üblichkeit, Gewöhnlichkeit“; eine „durch nichts Außergewöhnliches gekennzeichnete, übliche, alltägliche Erscheinung,“ ein „alltäglicher Vorgang“.

Weshalb sollte dies alles bildlich festgehalten werden? Ist doch langweilig, öde. Und trotzdem habe ich in meinem ersten Newsletter vom 25. Mai zu genau dem ermuntert: fotografiert Eure Alltäglichkeit und sendet mir Euer liebstes Bild ein.

Meiner Meinung nach haben solche Bilder für (vielleicht nur ) Euch einen Wert (oder bekommen ihn mit der Zeit). Ihr haltet damit einen Augenblick in Eurem Leben fest, der Euch zum Nachdenken gebracht hat; eine Situation, die Euch lustig erschien; einen Moment, in dem ihr völlig bei Euch selber wart.
Bilder dürfen auch nur für Euch selber sein, ein visuelles Tagebuch, eine Erinnerung; und diese müssen nicht „perfekt“ sein! Sie sollen leben, persönlich sein; Emotion kommt vor Ästhetik, vor „Jedes Bild muss doch durchkomponiert sein.“. Ihr müsst sie ja niemendem zeigen, nehmt damit an keinem Wettbewerb teil.

Drei liebe Menschen sind meiner Aufforderung um Einsendung eines Bildes nachgekommen. Ganz herzlichen Dank dafür!

Anita mit Katze

Bild: Anita Peter

Anita schreibt zu dieser Aufnahme folgende sehr emotionalen Gedanken:

Nicht mein bestes Bild aber  eine Herzensangelegenheit.
Und… die ungeschminkte Wahrheit.
Momentan kommt mein ca. 14 jähriger Kater Bänzli morgens wieder zu mir und sucht die Wärme auf meinem Bauch. Er sucht meine Nähe, und ich finde es schön, auf diese Art zu erwachen.

In solchen Momenten erinnere ich mich an „unsere“ Anfangszeit zurück, an die Zeit als der Alltag mit uns zweien noch nicht alltäglich war.
Daran, als ich Bänzli bei einer Tierschützerin abgeholt habe, er sich von seinen Verletzungen erholen durfte, den Kopf immer schräg gehalten hat und bei jedem Schritt oder lauten Stimmen zusammenzuckte – nichts und niemandem vertraute.

Und ich selbst zu dieser Zeit auch ein paar Wunden leckte.
Miteinander haben wir gelernt, wieder zu vertrauen.
Ein schönes und herzerwärmendes Gefühl, diese Verbundenheit.


Nature morte

Bild: Daria Zbinden

Daria hat zu ihrem Bild nichts geschrieben. Deshalb weiss ich nicht, weshalb ihr dieses Bild lieb ist. Das spielt aber absolut keine Rolle; das Wichtigste ist, dass sie selber es weiss; dass sie die Geschichten hinter diesem Bild in ihrem Herzen trägt und weiterleben lässt.


Feld mit Wolken

Bild: Denise O’Gorman

Den Abschluss macht Denise. Ein Bild, entstanden auf einem gemütlichen Spaziergang (wie mein Newsletterbild) oder auf der schnellen Autofahrt zu einem Termin? Ich weiss es nicht. Denise weiss es, und um das geht es.


Danke noch einmal von ganzem Herzen Anita, Daria und Denise. Ich hoffe, dass ihr die Fotografie der Alltäglichkeit für Euch selber weiterführt (und vielleicht sogar mal ein kleines Fotobuch druckt, nur für Euch…. für Euer Herz, für Eure Erinnerungen).
Und wer weiss: vielleicht inspirieren Eure Bilder auch andere dazu, diese Art der Fotografie wieder zu pflegen.

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Tim
Tim

2 Kommentare

  1. Daria Zbinden sagt:

    Schade haben nicht mehr Leute mitgemacht, ich finde die Idee die Augen für das Alltägliche zu öffnen super! Ich hatte schon zerlöcherte Putzlappen im Putzwasser, Sprühflaschen und andere banale Dinge fotografiert und daraus Bilder auf Photoshop gemacht. Das Bild das ich Dir geschickt habe ist übrigens vor meinem Eingang, 5lt. Weinflaschen (aus der Hinterlassenschaft von Hansruedi) die ich vor dem Untergang gerettet habe, sowie die Maske die er in seinen guten Zeiten einst gemacht hatte und für die ich noch einen neuen Platz suchen muss. Also gute und schlechte Erinnerungen direkt vor der Haustüre!

    Liebe Grüsse

    Daria

    • Tim sagt:

      Liebe Daria
      Danke für Deine ergänzenden Worte zu Deinem Bild. Ich hatte mir sogar auch sowas vorgestellt, da ich Euch ja kenne 🙂
      Es freut mich, wenn Du die Idee der Fotografie der Alltäglichkeit pflegst; ich finds – auch für mich persönlich – einfach wertvoll.
      Dass nicht mehr Leute mitgemacht haben, hat mich (ganz ehrlich *augenzwinker*) zu Beginn auch etwas enttäuscht. Aber weisst Du: es war mein erster Newsletter, ich blogge erst seit knapp einem Monat so regelmässig; alles braucht seine Zeit.
      Und ich bin überzeugt, dass andere Menschen meine Gedanken gelesen haben, sich inspirieren liessen, aber halt einfach nichts eingereicht haben. Ist für mich ok, und ich hab Freude an den 3 Einreichungen, die gekommen sind.
      Ä liebe Gruess us Bärn, tim

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